20.07.2020

Der Mann hinter dem RMP – wer war Steven Reiss?

„Menschen haben eine natürliche Neigung zu denken, ihre Werte sind die besten, nicht nur für sich selbst, sondern für alle Menschen.“ – Steven Reiss. Aber welche Ziele teilen wir Menschen konkret? Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, hat Steven Reiss gemeinsam mit seinem Team die erste wissenschaftliche Studie überhaupt durchgeführt, die untersucht, was Menschen individuell motiviert. Im Ergebnis deckte er 16 Lebensmotive oder Bedürfnisse auf, die in jedem von uns stecken.

Der Mann hinter dem RMP – wer war Steven Reiss?

Steven Reiss lebte als emeritierter Professor für Psychologie in Columbus (Ohio, USA). Über seine Forschung wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Top-Magazinen sowie in Zeitschriften weltweit berichtet. Das von ihm entwickelte Reiss Motivation Profile® wird mittlerweile von Expertinnen und Experten in unterschiedlichsten Praxisfeldern genutzt, von Coaching über Sport bis hin zum Gesundheitsbereich.

Steven Reiss eine beeindruckende Persönlichkeit

Der amerikanische Psychologe ist bis heute einer der meistzitierten Psychologen der Welt. Denn er fand etwas bahnbrechendes, bis dahin nie Dagewesenes und bis heute relevantes heraus: Allen menschlichen Verhaltensweisen liegen 16 Motive zugrunde. Aus dieser Erkenntnis entwickelte er das Reiss Motivation Profile®, ein diagnostisches Verfahren zur Persönlichkeitsanalyse. Steven Reiss entwickelte einzigartige Ideen, Bewertungsmethoden und einflussreiche Forschungsstudien zu vier psychologischen Themen: Angststörungen, Entwicklungsstörungen, intrinsische Motivation und die Psychologie der Religion. Im Jahr 1985 legte er (gemeinsam mit Richard McNally) das Konzept der Angstempfindlichkeit vor, das in mehr als 1.600 Peer-Review-Studien validiert wurde. Er ist der Autor des Angst-Sensitivitäts-Index, eines weltweit anerkannten standardisierten psychologischen Testverfahrens zur Diagnose von Panikattacken und posttraumatischen Belastungsstörungen. In den 80er- und 90er-Jahren legte Steven Reiss zahlreiche Forschungsarbeiten über psychische Gesundheitsprobleme bei Menschen mit mentaler Beeinträchtigung vor. Diese Arbeit wurde mit fünf nationalen Auszeichnungen anerkannt und lieferte eine wissenschaftliche Erklärung dafür, warum es einen Bedarf an dementsprechenden psychiatrischen und psychologischen Kliniken gab und gibt. Er wurde zu zahlreichen Vorträgen eingeladen und erhielt drei Auszeichnungen für seinen Einsatz für Menschen mit Behinderung.

Das Reiss Motivation Profile®, dessen Gültigkeit von anderen Forschern wie John Froiland und Ken Olsen bestätig wird, eruiert, welche Motive in unserem Leben Antrieb für unser Handeln – sozusagen die Motoren unseres Verhaltens – sind. Steven Reiss plädiert für das Verstehen und Akzeptieren der Motive anderer Menschen. Denn wir neigen dazu, unsere eigenen Werte als erstrebenswert einzustufen und jene der anderen geringzuschätzen.

Reiss erkrankte selbst 1995 an einer lebensbedrohlichen Autoimmunerkrankung und musste sich 2002 einer Lebertransplantation unterziehen. Er engagierte sich fortan dafür, dass Menschen mit mentaler Beeinträchtigung besseren Zugang zu Organtransplantationen erhalten und erfuhr hierfür viel Anerkennung.

Immer in Erinnerung          

Am 28. Oktober 2016 hat Steven Reiss den Kampf gegen seine schwere Krankheit verloren. Wir verneigen uns vor ihm, der sein Leben und seine Energie, trotz schwerer Krankheit, der Suche nach dem persönlichen Glück gewidmet hat. Wir pflegen einen engen Kontakt zu seiner Familie und begleiten die Weiterführung von Steven Reiss‘ Forschungsergebnissen.

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