05.05.2020

Können sich Menschen verändern und wenn ja – wodurch? Das Reiss Motivation Profile® gibt Aufschluss.

Bereits im letzten Blog haben wir das RMP in Bezug auf die aktuell herausfordernden Zeiten untersucht und festgestellt, wie wir derzeit extreme Verhaltensmuster besser erklären können. In diesem Blog soll es nun um die Frage gehen, ob und inwiefern wir uns auch nachhaltig verändern können…

Können sich Menschen verändern und wenn ja – wodurch? Das Reiss Motivation Profile® gibt Aufschluss.

 von Irene Krötlinger

Verhalten erklären durch das RMP

Heute wissen wir: Persönlichkeit ist genetisch angelegt, soweit der wissenschaftliche Konsens. Steven Reiss geht davon aus, dass die 16 Lebensmotive eine evolutionäre Grundlage aufweisen. Das bedeutet, unsere Motive haben einen evolutionären Ursprung, werden aber geformt von der Kultur, unseren Glaubenssätzen und unseren individuellen Erfahrungen. Was wir uns wünschen, ist also weitgehend von unseren Genen determiniert, aber wie wir unsere Wünsche erfüllen, wird hauptsächlich durch unsere Kultur und unsere Erfahrungen bestimmt.

Steven Reiss bietet mit den 16 Lebensmotiven nicht nur ein einzigartiges Modell der menschlichen Persönlichkeit an, sondern auch eines, das nichts an Aktualität vermissen lässt. Im Gegenteil. Die 16 voneinander unabhängigen Lebensmotive weisen einen verlässlichen Erklärungswert in Bezug auf menschliches Verhalten auf und besitzen eine hohe Vorhersagbarkeit von Verhalten. Wir können also gewissermaßen prognostizieren, in welcher Art sich jemand verhalten wird, denn die Motive bestimmen unser Verhalten per se: Sie auszuleben, ist ihr Zweck. Das Motivprofil eines Menschen ist grundsätzlich stabil.

Können sich Menschen verändern?

Nun wird uns oft die Frage gestellt, ob es denn möglich ist, dass Menschen sich ändern. Jeder von uns kennt doch jemanden, der sagt: „Ich bin ein anderer Mensch geworden“ – ist das denn möglich? Aus der Perspektive der Persönlichkeitspsychologie würden wir darauf antworten: „Veränderungen im Verhalten sind möglich, aber die Persönlichkeit bleibt ziemlich stabil. Wir sind also immer als die wiederzuerkennen, die wir auch schon in jüngeren Varianten unseres Lebens waren. Mit Stevens Worten gesprochen: „Ein Mensch, der einen stark ausgeprägten Neugierwert hat, hat als Kind schon viele Fragen gestellt.“ Oder: „Ein Mensch mit einem stark ausgeprägtem Sparen-Motiv, hat schon immer gerne etwas gesammelt.“

Sind dann die Motive unser Schicksal, in das wir uns fügen müssen? Ja und nein. Ja - überall dort, wo das Wollen, das Bedürfnis, eine Rolle spielt. Denn Wollen kann man nicht lernen. Ich kann nicht lernen, mehr sozialen Kontakt zu wollen. Aber selbstverständlich ist eine Veränderung auf der Verhaltensebene möglich, nur nicht in einem Ausmaß, das uns zu anderen Menschen macht. Ich kann beispielsweise lernen, mit einem stark ausgeprägten Rachemotiv einen sozial verträglichen Umgang zu finden und tatsächlich mögen dann manche Menschen den Eindruck gewinnen, ich hätte mich verändert. Es ist also möglich den Umgang mit einem Motiv zu verändern und mit einem gehörigen Aufwand daran zu arbeiten, zuverlässiger zu werden und Wege zu finden, dieses neue, gelernte Verhalten beizubehalten, vor allem dann, wenn es mich im Leben erfolgreicher macht.

Aber ehrlich gesagt – einfach ist das nicht. Ganz im Gegenteil – jeder von uns, der schon einmal versucht hat, einen bereits vertrauten Lebensstil zu verändern, weiß, wie schwierig das ist. Und doch ist es möglich. Es ist vielleicht nicht realisierbar, ein anderer Mensch zu werden, aber einen Umgang mit sich zu finden, der – vor allem bei problematischen Verhaltensweisen – mir und meinen Mitmenschen ermöglicht, aus Sackgassen – sogenannten Verhaltensmustern- herauszutreten und neue Wege einzuschlagen.

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