Teamwork und Leadership: Welche Erkenntnisse bringt das Reiss Motivation Profile®?

Daniele Gianella und Dr. Maximilian Koch der RMP germany GmbH zeigen exemplarisch auf, wie eines der meistgenutzten Diagnosetools im täglichen Arbeitsprozess Anwendung findet.


Seit dem 1. Juli ist die RMP germany GmbH exklusiver und offizieller Lizenzpartner des Reiss Motivation Profile® Deutschland. Es ist eines der meistgenutzten Diagnosetools bei Coaches, Trainern und Beratern (Quelle: Studie von managerSeminare). Das Tool beinhaltet mittlerweile über 100.000 Datensätze, was zeigt, wie weit verbreitet es ist. Es wird genutzt, um die 16 individuellen und persönlichen Lebensmotive von Menschen sichtbar zu machen. Das erklärte Ziel von RMP germany ist, das Tool stetig weiterzuentwickeln und somit auch anderen Bereichen als Trainern, Coaches und Beratern zugänglich zu machen.

Die Harvard Business Manager zitierte im Juni die Headline-Story über Teamwork, im Juli ging es um Leadership – zwei Themen, die gerade heiß diskutiert sind. Deshalb haben wir zwei der Gründer von RMP germany, gebeten, uns für diese beiden Themenbereiche darzulegen, welche positiven Effekte das Reiss Motivation Profile® hat. Daniele Gianella ist zusammen mit Brunello Gianella Lizenzpartner für das Reiss Motivation Profile® in der Schweiz, Portugal und Skandinavien zuständig. Dr. Maximilian Koch betreibt zusammen mit Irene Krötlinger seit 15 Jahren die Reiss Profil Akademie Österreich.

Interview mit Dr. Maximilian Koch zum Thema ‚Reiss Motivation Profile® und Leadership’

Herr Dr. Koch, wie sehen Sie das, gibt es das Leader-Gen?

Sagen wir mal, es gibt Persönlichkeitsmerkmale, die es begünstigen, in eine Führungsrolle oder in eine Leadership-Rolle zu gehen, weil es bestimmte Voraussetzungen und Anforderungen an das Rollenverständnis, Führungskraft zu sein, gibt, die sich mit manchen Persönlichkeitsaspekten leichter in Einklang bringen lassen als mit anderen. Insofern bin ich felsenfest davon überzeugt, dass nicht jeder für eine Führungsposition prädestiniert ist. Es können Persönlichkeitsmerkmale ganz normal veranlagt sein, die es sehr schwierig – fast unmöglich machen, erfolgreich führen zu können.

Ich glaube nicht, dass es ein Leader-Gen gibt, aber wir wissen auch – und das ist mit einer der Hintergründe zum Reiss Motivation Profile® – dass wenn wir als Menschen auf diese Welt kommen, schon einiges an Persönlichkeitsgrundausstattung mitbekommen. Es ist nicht so, wie man vielleicht noch in den 70er Jahren angenommen hat, dass man als weißes unbeschriebenes Blatt auf die Welt kommt und sich dann erst alles entwickelt. Wir kommen schon mit einer gehörigen Persönlichkeitsausstattung auf diese Welt, die sich natürlich dann auch weiter formt und uns im Endeffekt zu dem Menschen macht, der wir sind.

Steven Reiss hat es einfach, aber auch klar mit einem Bild beschrieben: Stellen wir uns vor, wir kommen als Baum zur Welt – beispielsweise als Apfelbaum. Das heißt, wir sind kein Birnenbaum, wir sind auch kein Zwetschgenbaum, wir sind eben ein Apfelbaum. Das allerdings, was dann die Welt mit uns macht, entscheidet, welche Art von Apfelbaum wir werden. Ob du einer bist, der viele Früchte jedes Jahr trägt und sehr voluminös und kraftvoll dasteht oder vielleicht eher ein kargeres Bäumchen, irgendwo am Bergrand sein wirst. Das Leben formt uns schon noch, aber es ist auch bereits einiges da, wenn wir auf diese Welt kommen. Insofern glaube ich, dass es eine bestimmte Grundausstattung geben wird, die es begünstigt, in einer Führungsrolle Erfolg zu haben.

Welche Motive sind Ihrer Erfahrung nach bei solch geeigneteren Personen stark ausgeprägt?

Es gibt so viele unterschiedliche Formen von Führung. Es gibt Führung in großen Unternehmen und in kleinen Unternehmen, es gibt Führung in börsennotierten Unternehmen und in Familienbetrieben. Es gibt Unternehmen im Dienstleistungsbereich oder im produzierenden Bereich, es gibt Profit-Organisationen und es gibt Non-Profit-Organisationen. Es ist schwierig, alle über einen Kamm zu scheren. In den letzten 15 Jahren habe ich viele Profile von erfolgreichen Führungskräften gesehen. Ein Lebensmotiv war bei diesen fast immer stark ausgeprägt: Macht. Das bedeutet, dass jemand gerne Verantwortung übernimmt, Einfluss ausübt und Entscheidungen trifft, die ein Thema oder auch andere Menschen betreffen – alles Aspekte, die eine Führungskraft braucht.

Ein weiteres wesentliches Lebensmotiv ist beispielsweise Beziehung. Viele erfolgreiche Leader müssen sich mit Menschen und deren Individualität beschäftigen. Das Lebensmotiv Beziehung zeigt auf, wie sehr wir es schätzen, auf Menschen zuzugehen und gemeinsam mit ihnen etwas zu erschaffen. Das heißt jetzt nicht, sich zu verbrüdern und eine Art von Schmäh- oder Amüsement-Kultur zu leben. Es bedeutet einfach, den Umgang mit anderen gerne zu haben und Leute kennenzulernen, auch die anderen Individualitäten kennenzulernen. Das steckt im Lebensmotiv Beziehungen. Das muss nicht extrem hoch sein, aber wenn es sehr gering ausgeprägt ist, dann bedeutet das ja, dass man sich aufgrund der eigenen Persönlichkeit nicht so gerne mit Menschen beschäftigt und das kann sehr hinderlich für nachhaltigen Erfolg in der Führung sein.

Nicht unmaßgeblich ist zudem das Motiv Ruhe. Führungskräfte müssen auch unter Belastung funktionsfähig bleiben und ergo auf ihre eigene Balance und Ausgleich achten. Das Lebensmotiv Anerkennung verdeutlicht, wie wichtig uns persönliche Anerkennung ist. Das Lebensmotiv Ordnung zeigt, wie sehr wir das Thema Struktur im Blick haben und wie der Umgang mit Veränderungen ist. Das sind alles Aspekte, die in der Führungsrolle einen Einfluss haben. Nahezu jedes einzelne Lebensmotiv hat eine Auswirkung auf die Art, wie wir führen.

Und gerade da liegt auch eine wesentliche Stärke des Reiss Motivation Profils® und auch eine Chance für die Unternehmen. Es lässt sich rechtzeitig darauf achten – nicht nur ob – sondern vor allem auch wo eine Führungskraft mit ihrer individuellen Persönlichkeitsausstattung am besten eingesetzt ist. Wir sprechen hier von Passung aber auch von Prävention.

Denn oft ist ja gerade die Passung der Führungskraft zur Kultur, zum Umfeld – selbst zur momentanen Situation, in der sich ein Unternehmen befindet – die Ursache für Demotivation, Leistungsabfall oder Burn-out.

Das RMP® erlaubt es bereits die möglichen Konsequenzen einer Besetzung im Vorfeld – vor dem Hintergrund der Persönlichkeitsmerkmale der jeweiligen Person – anzuschauen.

Wie kann das Reiss Motivation Profile® mich in meiner Führungsrolle unterstützen?

Häufig haben wir gesehen, dass Führungskräfte ein viel zu vereinfachendes Persönlichkeitsbild anderer Menschen in sich tragen. Vergleichen wir einmal den Beruf der Führungskraft mit dem eines Tischlers. Wenn ein Tischler in seine Werkstatt geht und sich denkt: „Um Himmels Willen, schon wieder den ganzen Tag nur Holz!“, dann stellt sich die Frage, ob dieser Tischler mit seiner Grundhaltung und Einstellung nachhaltig erfolgreich sein wird. Ich bin davon überzeugt, dass erfolgreiche Tischler sich auch gerne mit dem Material Holz beschäftigen müssen. Es auch durch unterschiedliche Blickwinkel wahrnehmen lernen müssen, damit sie es dann aufgrund ihrer Geschicklichkeit und all dem, was sonst noch dazu kommt, zu einer guten Performance bringen und erfolgreich sind. Wieder zurückgebracht auf das Bild des Managers oder der Führungskraft – mit welchem Bild gehe ich durch die Welt und wie taxiere oder wie schätze ich Menschen ein?

Das Reiss Motivation Profile® macht Individualität und Persönlichkeit greifbar. Viele Tools vereinfachen zu stark. Da gibt es dann drei Menschentypen, A, B, C oder gelb, grün, blau und danach wird eingeordnet. Natürlich trifft dann manches zu, aber vieles trifft auch nicht zu. Wir wissen heute, menschliche Individualität und Persönlichkeit sind sehr vielschichtige Materien. Und ein passendes Diagnostiktool muss dem gerecht werden. Albert Einstein hat einmal gesagt: „Man soll die Dinge so einfach wie möglich machen – aber nicht einfacher“. Das Reiss Motivation Profile® beschreibt Persönlichkeit in seiner Vielschichtigkeit sehr treffend. Es ist herausfordernd, sich mit 16 Lebensmotiven, die frei kombinierbar miteinander sind, zu beschäftigen. Nur wenn wir uns in unseren Berufen mit Menschen beschäftigen, dann brauchen wir auch ein Tool, das diese Herausforderung meistern kann.

Das Reiss Motivation Profile® wird dem gerecht und ist durch seine Vielschichtigkeit in der Lage, Führungskräften die eigene Persönlichkeit nahezubringen und darüber hinaus auch bewusst zu machen, worauf sie im Umgang mit anderen achten können, um in der Führung Erfolg zu haben.

Interview mit Daniele Gianella zum Thema ‚Reiss Motivation Profile® und Teamwork’

Herr Gianella, was gefährdet die Arbeit eines Teams am meisten?

Das nichtvorhandene gegenseitige Verständnis, wenn Sie mich fragen. Wir Menschen vergleichen uns gern, vor allem wenn wir tagtäglich miteinander zusammenarbeiten, wird deutlich, dass wir nicht alle gleich, sondern sehr unterschiedlich sind.

Das führt in Teams allgemein zu Kommunikationsbedarf und zu Energieverlust. Beispielsweise versuchen Menschen andere durch Beobachtung einzuschätzen. Aber ein ordentlicher Arbeitsplatz kann aus ganz unterschiedlichen Motiven für einen Menschen wichtig sein, es muss nicht heißen, dass jemand ein starkes Ordnungs-motiv hat. Genau dasselbe kann bei der Verteilung von Aufgaben passieren. Es wird beobachtet, dass ein Mitarbeiter eine bestimmte Aufgabe hervorragend löst, dann wird ihm immer wieder diese Aufgabe zugeteilt, weil man meint zu wissen, dass ihm das liegt. Es kann aber sein, dass er Herausforderung braucht, um exzellente Arbeit abzuliefern. Das heißt, der Mitarbeiter ist im schlimmsten Fall sogar demotiviert, obwohl man ihm eigentlich nur „gut“ wollte. So führen wir uns gegenseitig immer wieder in die Irre, weil wir nicht wissen, welche Motive uns „leiten“.

Erschwerend kommt hinzu, dass wir es eher ablehnen, wenn jemand anders ist als wir selbst. Wir denken häufig, dass wir die besseren Menschen sind, weil wir vielleicht ordentlich sind oder weil wir herzlicher sind. Das nennt sich „self-hugging“, was bedeutet, meine eigenen Motive sind mir die liebsten, weil sie mir helfen, sie fühlen sich gut an, sie machen mir Spaß und geben mir Energie. Da ist der Sprung, dass das für mein Gegenüber genauso sein muss, zu schnell gemacht.

Die Harvard Business hat in ihrer Juni-Ausgabe mit dem Titelthema „Teamwork“ vier Typen identifiziert – wie stehen Sie zu solch „vereinfachten“ Persönlichkeitsprofilen?

Ich halte davon viel, weil es für die meisten Menschen ein erster Zugang ist, um zu erkennen, dass Leute unterschiedlich sind oder unterschiedlich ticken. Das hat alles seine Berechtigung. Ich glaube aber, dass es für das Teamwork, also um einen Menschen wirklich zu verstehen, nicht individuell genug ist. Wird vielleicht diagnostiziert, dass ich ein eher dominanter, machtorientierter Mitarbeiter bin und werden mir daraufhin nur solche Tätigkeiten zugeordnet, kann es sein, dass ich andere Motive von mir gar nicht ausleben kann, einfach weil diese nicht direkt „sichtbar“ sind. Das sind mögliche Fallen und kann dazu führen, dass Potenzial nicht ausgeschöpft wird und Missverständnisse entstehen.

Wie kann das Reiss Motivation Profile® dabei helfen, dass Teamwork effizienter wird?

Ich glaube, zuerst kommt der Einzelne – wir nennen das reflect. Es hilft jedem Einzelnen nochmal in einer relativ klaren Sprache zu analysieren, was er gerne tut, mit was er sich gerne beschäftigt, was ihm wichtig ist, auf was er Wert legt, um dann mal zu schauen, ob das in seinem Alltag Platz findet. Und dann das mit seinen Zielen, mit seiner Rolle, mit seinen Aufgaben, mit seinem Job, mit seinen Teammitgliedern, mit seinem Chef abzugleichen, um herauszufinden, was da eigentlich den ganzen Tag läuft. Und wenn ich einige Lebensmotive habe, die ich nicht leben kann oder von denen ich nur mit Ach und Krach vielleicht mal irgendwann in der Freizeit ein Quäntchen leben kann, dann wird mich das auf Dauer demotivieren.

Der zweite Schritt – match – ist dann, das Team in den Blick zu nehmen. Wenn hier das Team sich die jeweiligen Profile anschaut, verstehen Teammitglieder auf einmal, warum sie mich wie erleben, sie wissen, warum ich gewisse Sachen mache und wie ich ticke. Wenn ersichtlich wird, was meine drei wichtigsten Motive sind, zeigt das, warum mir was am meisten Spaß macht – das ist ein echter Augenöffner im Team.

Der dritte Schritt – perform – bedeutet, dass ich aufgrund dessen, dass ich mich besser verstehe und auch von meinem Team besser verstanden werde, meine Motive viel besser leben kann – was bedeutet, dass ich motivierter bin, mehr Spaß und eine bessere Performance habe.